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20 Jahre „Wandern im Herbst“

Seit 2003 heißt es im Tennisclub Am Volkswald nach Ende der Medenspielsaison „Wandern im Herbst mit Meinhard Brummack“. Wandern, Essen und Singen sind die Disziplinen. 31 Personen waren insgesamt beteiligt, 22 wanderten und 9 kamen zum Essen dazu.

„Auf der Spur von Verbrechen, Vergehen und Freveltaten in Werden und Werden-Land“ lautete das Thema der knapp acht Kilometer langen Rundtour. 13 Orte, an denen 10 Taten passierten, standen an. Meinhard, pensionierter Kriminalbeamter, der in seiner über 40jährigen Laufbahn 22 Jahre die Dienststellen zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und Fahndung leitete, hatte umfangreich recherchiert, dabei auch Veröffentlichungen der Werdener Nachrichten und Jahrbücher „Geschichten aus der Werdener Geschichte“ ausgewertet.

Samstag, den 22. Oktober 2022, 11.00 Uhr, starteten Gisela und Heiner, Anja und Wolfgang, Inga und Andreas, Katja und Heiner, Brigitte und Werner, Karin, Sabine, Ute, Ludger mit Kamera, Peter, Manfred, Uli, Harry, Erik, Mike, Diethelm und Meinhard von der Clubhausterrasse des TC Am Volkswald. Trockene Witterung und angenehme Temperatur waren treue Begleiter der Wandernden. Über die Heidhauser Straße ging es in die Bremerstraße, rechts durch ein Wäldchen hoch zur Kleingartenanlage, rechter Hand leicht bergab über Spillheide und Kotthaushang zu einem Fußweg. Links vom mittigen Geländer führt ein Waldweg durch Küppers Büschken. Diesem in der Senke links folgen, bis zum breiteren Waldweg. Dort rechts und geradeaus nach oben. Noch im Wald rechts, dann links zur Neubausiedlung Grüne Harfe. Auf einem Kiesweg rechts von den neuen Häusern zum asphaltierten Barkhover Feldweg, dort rechs. Am Ende der unbebauten Fläche links auf schmalem Grasweg bis Oberer Pustenberg.

Hier ließ Meinhard die Gruppe halten. Neubausiedlung und das angrenzende eingezäunte Gelände gehörten früher zum Gut Barkhoven, zu Zeiten der Abtei wichtigster Oberhof des Benediktinerklosters. 1806, vier Jahre nach der Säkularisation, übernahm die Verwandtschaft Mintrop, als Erben fehlten. Heutiger Besitzer ist ein Wirtschaftsökonom. „50-60 Personen versuchten Dienstagabend in das Genesungsheim der Ortskrankenkasse einzudringen. Die Oberschwester informierte die Polizei in Werden. Die Täter zogen weiter zum Gut Barkhoven und verlangten die Herausgabe von Lebensmitteln. In diesem kritischen Momente erschienen die Polizeibeamten und stoben die ungebetenen abendlichen Besucher auseinander.“ Der Kriminalfall konnte geklärt und die Täter ermittelt werden. Die Tat geschah am 27. November 1923 und relativiert sich, denn es war die Zeit der Ruhrbesetzung. Die Menschen hatten einfach nur Hunger, mussten sich aber gleichwohl vor Gericht verantworten. Von einer weiteren Tat in diesem Bereich war dann die Rede. Seit April 2012 wurde die damals 23jährige Liesa Schulte aus Werl vermisst. Samstag, den 27.10.2012, fanden Kinder in einem Waldstück am Klemensborn, hinter der Haltestelle Jugendherberge, die Leiche der jungen Frau. Mit ihrem Verschwinden wurde schon früh ihr Ex-Freund Richard O., damals 25 Jahre alt, in Verbindung gebracht. In einem Indizienprozess konnte ihm die Tat nachgewiesen werden, Tatzeit war der 17. April 2012. Richard O. wurde zu einer Strafe von 12 Jahren und 3 Monaten verurteilt.

Weiter ging es über den Klemensborn in den Pastoratsberg, vorbei am neuen Heiligenhäuschen Richtung Jugendherberge, vorher rechts und auf Waldweg um die Herberge herum. Dort gibt es eine wunderschöne Aussicht auf Werden, wenn im Herbst die Blätter gefallen sind. Durch den Wald führt der Bergweg bald nach rechts und endet schließlich An der Stadtmauer.

An dieser Stelle gab es die nächste Geschichte. Ganz in der Nähe standen Borntor und Brandstor. Werden wurde 1317 Stadt und erhielt Mauern und Tore, die erst 1808 während der französischen Besatzung abgerissen wurden. Zwei Vagabunden ersuchten beim Bürgermeister um Erlaubnis zum Betteln. Trotz Verbots bettelten sie Sonntag, den 20. Juli 1783, an der Bornstraße (Klemensborn). Dabei wurden sie von einem Armenjäger, der damals solches zu verhindern hatte, auf frischer Tat ertappt und erhielten einen Platzverweis. Die Täter versuchten es erneut am Flachsmarkt (Leinwebermarkt). Der Armenjäger versetzte ihnen ein paar Stockschläge und wollte sie nun am Brandstor aus der Stadt weisen. Die Bettler leisteten jedoch erheblichen Widerstand und schlugen mit ihren Stecken dem Armenjäger ins Gesicht und auf den Kopf. Bürger halfen und konnten die Flüchtenden noch in der Bungertstraße festnehmen. Die alarmierte Stadt-Wacht übernahm die Übeltäter und brachte sie zum Kastell (1479 bis 1847). Tags darauf wurde ihnen der Prozess gemacht.

Über den Klemensborn war kurz darauf der Innenhof der Folkwang Universität der Künste (ab 1945) erreicht. Über diesen historischen Ort wäre sehr viel Interessantes zu berichten. Meinhard beschränkte sich auf Fakten zum Ende des Klosters, Umbau zum Zuchthaus und prominente Insassen.

Ohne den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 abzuwarten, zogen am 3. August 1802, 09.00 Uhr, zwei preußische Grenadierkompanien durch das Torhaus der Abtei, übergaben Abt Beda Savels ein Besitzergreifungspatent vom 6. Juni 1802 und beendeten damit nach rund tausend Jahren die weltliche Herrschaft der Mönche in Werden. Die Aufhebung des Klosters erfolgte am 3. Juni 1803. In dieser Zeit wechselten die Besatzungsverhältnisse zwischen Preußen und Franzosen. 1806 herrschten wieder die Franzosen. Sie bewilligten 1811 den Umbau des Klosters in Bettelei-Depot und Haftanstalt. Bettelei-Depot wurde nicht realisiert, aber schon am 1. November 1811 wurden 400 Schwerverbrecher von Düsseldorf und Münster nach Werden verlegt. Bis 1928 war die Strafanstalt ein Fremdkörper mitten in der Kleinstadt Werden. Sie war eine Demonstration der ungeliebten preußischen Präsenz, aber auch neben der Textilindustrie Werdens wichtigster Wirtschaftsfaktor.

Deutschland hatte den 1. Weltkrieg verloren und sollte unsinnig hohe Reparationsleistungen erbringen. Geldzahlungen waren in der geforderten Höhe nicht möglich. Da die Weimarer Republik mit der Lieferung von Gütern nicht nachkam, besetzten französische und belgische Truppen völkerrechtswidrig im Januar 1923 das Ruhrgebiet. Der Widerstand dagegen wird auch als Ruhrkampf bezeichnet. In Werden rollten Tag für Tag Kohlezüge nach Westen. In der Nacht zum 5. April 1923 wurden zwischen Werden und Kettwig Gleise gesprengt. In Tatortnähe hatte man Bürgermeister Josef Breuer festgenommen und ins Zuchthaus eingeliefert. Er verweigerte die Aussage und Beteiligung war ihm nicht nachzuweisen. Verbunden mit seiner Entlassung waren 25 Millionen Mark zu zahlen. Da nicht gezahlt wurde, musste der Bürgermeister neun Wochen später erneut ins Zuchthaus, diesmal für zwei Monate. Einige Wochen davon teilte er die Zelle mit Gustav Krupp von Bohlen und Halbach. Wegen des zusammengebrochenen Bankensystems befand sich Deutschland auf dem Höhepunkt der Inflation. Auch in Werden wurde Inflationsgeld ausgegeben. Unterzeichnet von Ratsherr Dr. Körholz, weil der Bürgermeister ja inhaftiert war, gab es eine Millionen-Note mit besonderem Spruch: „In diesem dunkelen Gemäuer sitzt unser Bürgermeister Breuer“. Erst im August 1925 endete die Besetzung.

Nach Torhaus, Klemensborn und Treppenaufgang stand die Gruppe schnell vor der Ludgeruskirche, um die es jetzt aber nicht ging. Meinhard berichtete über die letzte Hinrichtung in Werden.

Johann Karl Lüders saß seit 1820 in Werden als Untersuchungsgefangener ein. Er war 1773 als Sohn eines Stadtchirurgen in Rees geboren. Chirurg oder Wundarzt war damals noch ein handwerklicher Beruf und mit dem des Barbiers verbunden. Er half seinem Vater schon mit neun Jahren als Barbiergehilfe. Nachdem er in Amsterdam eine einjährige Lehrzeit absolviert hatte, fuhr er sieben Jahre auf einem holländischen Kriegsschiff als Chirurg mit. So lernte er auch die niederländische Kolonie Guayana in Südamerika kennen. 1800 kehrte er nach Rees zurück, arbeitete als Wundarzt und heiratete 1802 die 17jährige Tochter des Torschreibers. Mit ihr hatte er einen Sohn und eine Tochter, aber die Ehe war unglücklich. Er mißtraute ihrer ehelichen Treue und verließ sie 1806, um wieder nach Guayana zu segeln. Dort arbeitete er mit wechselnden Anstellungen zehn Jahre als Wundarzt auf den Plantagen. Zuletzt kümmerte er sich um die Geschäfte eines Deutschen, der kränkelte und schließlich starb. Mit dessen amerikanischer Witwe, Erbin des Vermögens, wollte Johann Karl Lüders zurück nach Europa, um im teuren Amsterdam ein neues Leben zu starten. Daraus wurde nichts, weil er sich auf der Rückreise eine dauerhafte halbseitige Lähmung zuzog. So ging das Paar nach Rees, wo die verlassene Ehefrau noch mit der Tochter wohnte. Der Sohn war früh gestorben. Lüders strebte die Scheidung an, es kam jedoch zu erheblichen Schwierigkeiten zum Unterhalt. Lüders musste in Guayana noch geschäftliche Dinge regeln, als 1819 seine amerikanische Partnerin starb. Nach Rückkehr nahm er zum Erstaunen seiner Umgebung die Ehefrau wieder ins Haus. Vielleicht glaubte er, dass damit finanzielle Ansprüche entfielen. Mit seiner Haushälterin ging er ein Verhältnis ein. Streitereien und Eifersucht waren an der Tagesordnung. Am 2. Juli 1820 griff Karl Lüders zur Pistole und erschoss seine Frau. Nach ersten Vernehmungen in Rees und der Untersuchung des Falls durch das Werdener Inquisitoriat, heute vergleichbar mit einer Generalstaatsanwaltschaft, wurde Lüders in zwei Instanzen vom königlichen Kriminalsenat zu Hamm und Münster zum Tode verurteilt. Das Werdener Inquisitoriat unter Leitung des Kriminalrichters Wescher war zuständig für die ordnungsgemäße Vollstreckung. Tag der Hinrichtung war der 11. Juli 1823 auf dem Werdener Markt. Man stelle sich heute eine Fläche vor den ehemaligen Domstuben vor. Dort war ein 5 mal 5 Meter großes Holzpodest aufgebaut, in roter Farbe und mit Sand bedeckt. Darauf befanden sich Richtblock, schwarzer Sarg und Richtbeil. Das öffentliche Interesse war sehr groß. Ein Zeitungsreporter sprach von mindestens 15 000 Menschen. Schon ab drei Uhr morgens waren die besten Plätze belegt. Der Friedhof neben der Ludgeruskirche (1824 aufgegeben) war dicht besetzt und glich in seiner Lage einem Amphitheater. Andere standen auf abgedeckten Dächern. Um sechs Uhr kam vom Zuchthaus her eine Abteilung Husaren. Sechs Gefangene zogen einen Schlitten, auf dem der Verbrecher Johann Karl Lüders festgebunden war, mit einer Kuhhaut als Unterlage. Kriminaldirektor Wescher und Aktuar Schneider gingen vor dem Schlitten, die Gerichtsdiener und Scharfrichter Henrich Voss mit seinem Assistenten Caspar Rosenberg dahinter. Den Schluß bildete wieder eine Abteilung Husaren. Kriminaldirektor Wescher verlas nochmals das Urteil und die königliche Bestätigung. Dann wurde das Gewehr präsentiert, die Trommeln wirbelten, die Trompeten erschallten und Jeder stand, tief ergriffen von der furchtbaren Gewalt des Gesetzes. Lüders erklärte, dass er den Tod verdient habe und im Vertrauen auf den Erlöser sterbe. Er bedankte sich beim edlen Richter, der ihn mit so großer Humanität behandelt hätte, und bestieg in aller Seelenruhe das Gerüst. Dort legte er seinen Kopf auf den Klotz und empfing den Todesstreich. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Werden. Noch bis 1929 fanden solche immer am Ort des Gerichtes statt. Danach wurden sie in die Innenhöfe der Strafanstalten verlegt.

Weil die Wandernden einen Mordshunger verspürten, führte Meinhard sie über den Markt zum Platz der Werdener Feintuchwerke, wo eine Henkersmahlzeit zubereitet war. Eheleute Karin und Klaus sowie Meinhard's Ehefrau Elisabeth hatten Käse, Wurst, Obst, Kuchen und Brot aufgetischt, dazu wurden Wasser, Saft, Bier oder Schnäpschen gereicht. Nach 30 Minuten gab es das Zeichen zum Aufbruch.

Da vom Parkplatz das katholische Krankenhaus St. Josef zu sehen ist, erzählte Meinhard von dessen Start 1857 sowie einem noch früheren Pferdediebstahl und Einbruch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vorher stand dort bis 1855 der Gasthof Ferber, errichtet mit Steinen der 1817 abgebrochenen Clemenskirche (957-1802). Dreiste Diebe, die ihren Wohnsitz in der Wingermark nahe Nierenhof hatten, holten nachts bei Kimmeskamp am Schwarzen (Strunzhütte, heute „Fine Secolo“) das Pferd aus dem Stall, spannten es in die Karre und fuhren damit zum Gasthof Ferber. Den räumten sie vollständig aus, luden alles auf die Karre und fuhren dann Richtung Nierenhof. Unterwegs hatten sie reichlich von der Alkoholbeute genossen. Mit lautem Gesang und dem Spielen einer Harmonika zogen sie durch Kupferdreh. So kam man ihnen auf die Spur und konnte die Bande am nächsten Tag verhaften.

Die Wanderfans folgten Meinhard durch das Universitätsgelände Richtung Leinwebermarkt und Bungertstraße zum nächsten Tatort. Die Fußball-Europameisterschaft 1988 wurde in Deutschland ausgetragen. Dienstag, den 14. Juni 1988, hatte Deutschland ab 17.15 Uhr sein zweites Gruppenspiel. Im alten Parkstadion ging es vor 68812 Besuchern gegen Dänemark. Tore von Jürgen Klinsmann in der 10. und Olaf Thon in der 87. Minute sorgten für den 2:0-Sieg. Dänische Fans feierten trotzdem ausgiebig in der Gaststätte „Alter Hut“ in Werden, Bungertstraße. Zu Gast war auch Albert Annies, Wirt der benachbarten Disco „Riverside“. Er zettelte einen Streit an mit dem mehrfach vorbestraften Jochen D., der ihn kurzerhand im Lokal erschoss. Auf der Flucht versteckte er sich in einer Tonne an der ehemaligen Gaststätte „Zum Timpen“, wo er dann festgenommen wurde. Ihn erwartete eine langjährige Freiheitsstrafe. Das Lokal existiert nicht mehr, die Räume sind leer.

Auf der anderen Seite der Abteistraße ist die Hölle. Da musste die Gruppe durch. Benannt nach Haus und Hof in der Helle, der schon 1412 im Lehengüterverzeichnis der Abtei erwähnt ist. Helle bedeutet Abhang oder Vertiefung. Das Gelände lag früher sehr niedrig und wurde oft überschwemmt. Aus Helle wurde später Hölle.

Der weitere Weg führte über Brückstraße in Grafenstraße, rechts zur Hufergasse, dort links bis Ecke Grafenstraße zum nächsten Halt. Über viele Jahre gab es in Werden nur eine Adresse, wenn es um Pommes frites oder Curry-Wurst ging: „Pommes-Erwin“. Zuerst hatte er seinen Imbiss auf der Heckstraße, gegenüber der evangelischen Kirche. Heute ist dort ein Friseurgeschäft. Als ihn zwei Mitarbeiterinnen betrogen hatten, zog er in das ehemalige evangelische Pastorat in der Grafenstraße. Der schwule „Pommes-Erwin“ hatte über Jahre in Werden Kultstatus. „Du gibst mir 400 Mark oder es passiert was“, so ging ihn der mit einem Messer bewaffnete Täter Sonntag, den 7. September 1986, an. Als „Pommes-Erwin“ kein Geld herausrückte, stach der Jugendliche zu. Mit letzter Kraft schaffte es Erwin noch bis vor die Tür, erlag auf den Pflastersteinen aber seinen Verletzungen. Der Täter wurde ermittelt und zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt. Er stammte aus der unmittelbaren Nachbarschaft und war Spross einer Familie mit neun Kindern.

Wenige Meter weiter war die Wandertruppe plötzlich im „Himmel“. Im alten Werden gab es Häuser mit den heute seltsam klingenden Namen Himmel, Hölle und Fegefeuer. Einzig erhalten geblieben ist das Haus „Der Himmel“, Grafenstraße 49. Es hat seine erste Erwähnung 1387. In seiner heutigen Gestalt wurde es 1696/97 errichtet, nicht wie auf der Tafel vermerkt 1770. Vom 29. Januar 1731 bis 18. Dezember 1919 gehörte es in Erbfolge den Familien Funke, Dingerkus und Wulff. Prominentester Bewohner war wohl Johann Everhard Dingerkus (*1725), letzter Kanzleidirektor der Abtei. Seine Frau war eine geborene Funke. Nach dem Tod des Schwagers wurde er 1767 mit dem Haus belehnt, blieb aber bis 1811 in seiner abteilichen Wohnung „Im Lühr“ wohnen. Erst die Franzosen vertrieben ihn dort. Von 1811 bis zu seinem Tod 1817 hat er dann im „Himmel“ gewohnt. Nach Tod der Ehefrau, Tochter und Schwiegersohn versorgte er dort noch zwei Enkel.

Auch Dingerkus saß in seiner Amtszeit mal in Haft. Von Januar bis 5. Juli 1796 war er gemeinsam mit dem Werdener Landrichter Müller in der Festung Wesel inhaftiert. Man warf ihnen ein frevelhaftes Majestätsverbrechen vor. Preußische Truppen waren im August 1795 in Werden einmarschiert und verkündeten das königliche Recht auf die Landeshoheit in Werden. An Stadttoren und Kirchentüren machten sie das bekannt. Dingerkus und Müller beseitigten die Anschläge persönlich. Fünf Monate dauerten die Ermittlungen, dann wurden beide verhaftet. Erst auf Intervention des Werdener Abtes Bernhard II. beim Kaiser in Wien kamen beide frei. Der Kaiser hatte nochmals die Rechte der Abtei als Landesherr bestätigt. 1802 kam dann allerdings doch das Ende der Abtei.

Am Ende war Meinhard jetzt auch mit seinen Wortbeiträgen. Ab sofort wurde nur noch gewandert. Haus Fuhr, Pattbergstraße, Klinikgelände, Fußweg und Treppe bis Dingerkusweg, rechts bis Ende, dort links auf den Wiesen-/Bergpfad Weinberg, kurz vor Ende rechts schmalen Weg runter zum Rebstock, links zur Rebenranke, geradeaus Fußweg zur Wintgenstraße, weiter in Kimmeskampweg, rechts Fischlaker Straße, über die Hammerstraße auf Bürgersteig der Heidhauser Straße zum TC Am Volkswald, so hießen die letzten Stationen.

Dort warteten Gastronom Pietro Arcoria und sein Team mit leckeren Köstlichkeiten aus der italienischen Küche. Edith, Brigitte, Silvia, Iris, Margrit, Axel sowie die Boxenstopp-Crew Karin, Klaus und Elisabeth kamen zum Essen dazu. Karin und Anja hatten lobende Worte und Geschenke für den Wanderführer und seine helfenden Hände. Noch mehrere Stunden saß man gemütlich beieinander. Wer wollte, konnte die Fotomappe mit allen Highlights der Wanderung anschauen, ein Mitnahmeblatt mit Tourinformationen lag aus. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause erfreute wieder die zum Gesamtpaket gehörende Liedertafel. Meinhard gab mit Gitarre, Mundharmonika und Kazoo den Takt vor und Alle sangen mit bei Moritaten oder Liedern über Heimat, Bergbau und vor allem Frieden.

Meinhard Brummack, 24. Oktober 2022