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19 Jahre "Wandern im Herbst"

Seit 2003 heißt es im Tennisclub Am Volkswald nach Ende der Medenspielsaison "Wandern im Herbst mit Meinhard Brummack". Auch die 19. Veranstaltung fiel in die noch andauernde Coronazeit und es galt die aktuelle 3-G-Regel. Wandern, Essen und Singen sind normalerweise die Disziplinen. Das gemeinsame Singen bekannter Volkslieder ist hoffentlich im nächsten Herbst wieder möglich. 33 Personen waren insgesamt beteiligt, 22 wanderten und 11 kamen zum Essen dazu.

"Historischer Pfad Werden-Land", diesen Rundweg hatte die im Jahr 2018 verstorbene Hannelore Kahmann mit dem Werdener Bürger- und Heimatverein 2017 realisiert. Davon ließ sich Meinhard inspirieren, ergänzte die Tour um weitere Anlaufpunkte und teilte sie in zwei Etappen.


Foto privat

Teil zwei stand am 2. Oktober 2021 auf dem Programm. Um 11.30 Uhr starteten Anja und Wolfgang, Veronika und Achim, Barbara, Helena, Helga, Hildegard, zweimal Karin, Marion, Petra, Roswitha, Sabine, Gudrun und Ludger mit Kamera, Manfred, Marwin mit Pepe (1 Jahr), Uli, Erik und Meinhard am Clubhaus. Kühle, aber trockene Witterung begleitete die Wandernden.

Durch den in den 1920er Jahren unter Bürgermeister Aloys Schaphaus angelegten Volkswald ging es zur Grünanlage "Am Schwarzen". Hier erinnern seit 2017 die vom ortsansässigen Bildhauer Roger Löcherbach mit der Kettensäge gefertigten Tier-Skulpturen an die früheren Honnschaften der Bürgermeisterei Werden-Land. Vorlage war ein Heimatorden des Prof. Dr. Ludger Mintrop aus dem Jahre 1952: Kuh-Häitzen (Kuh-Heidhausen), Ferkes-Feschlaken (Ferkel/Schwein-Fischlaken), Hippen-Hamm (Ziegen-Hamm) und Patz-Holsterhusen (Pferd-Holsterhausen).

Am Scheppener Weg und Kunkelsberg entstand in den frühen 1950er Jahren eine Bergarbeitersiedlung. Nach und nach gelangten die Häuser in Privatbesitz. Einen Einblick in die gepflegten Gärten bietet ein Grasweg, der neben Haus Kunkelsberg 29 in einem Rechtsbogen zum fußläufigen Teil des Scheppener Weges führt. Bergab gingen einst die Bergleute zu ihrer Arbeitsstelle. An die ehemalige Zeche Poertingsiepen II erinnern nur noch die denkmalartige Seilscheibe und eine Informationstafel. 1779 bis zum 30. April 1973 wurde hier beste Kohle gefördert, nach dem Verbund mit Carl Funke 1967 von 3008 Beschäftigten, davon 2083 unter Tage. Fotos zur Dokumentation beeindruckte die Gruppe. Zwei Bänke laden hier zur kurzen Rast. Karin kredenzte feinsten Rotweinkuchen aus eigener Herstellung, Uli und Meinhard steuerten Hoch- und Mittelprozentiges bei. Der gewohnte große Boxenstopp muss noch ein Jahr warten.

Von hier bis zum ehemaligen Haltepunkt Margrefstraße der Hespertalbahn waren es nur einige Meter. Die Schließung der Zeche bedeutete auch das Aus für die Hespertalbahn, deren erste Gleise 1857 von Velbert nach Kupferdreh gelegt wurden. Haltepunkt, Gleise, Geländer, abschüssige Margrefstraße und Bahn hatten im Dezember 1977 nochmals einen großen Auftritt. Für den Politkrimi "Das fünfte Gebot" wurde eine Szene gedreht, in der zwei Ganoven vor der Schranke halten mussten, aus dem Wagen flüchteten und über das Geländer auf den vorbeifahrenden Zug sprangen. Doch auch der Film konnte den Gleisabbau in diesem Bereich nicht verhindern. Dank des unermüdlichen Einsatzes treuer Eisenbahnfreunde gibt es den Streckenteil von Haus Scheppen nach Kupferdreh noch als Museumseisenbahn.

Es ging weiter auf der alten Trasse in Richtung Hesperbrück. An der ehemaligen Weiche erklärte Meinhard, dass bis 1937 die Kohlenwagen der Zeche diesen Weg nach Kupferdreh nehmen mussten. Erst mit dem Bau einer Brücke an der Hövelstraße (so hieß dieser Teil der Straße Pörtingsiepen damals) entfiel der Umweg. Auch von der Brücke existieren nur noch Fotos. Etwa 50 Meter weiter lag im Gestrüpp eine umgefallene Wegemarkierung. Es ist ein früherer Kilometerstein, der einst die Beschriftung 3,4 der 4,6 km von Kupferdreh nach Hesperbrück trug. Die 3,4 belegte der Wanderführer mit einem Foto.

Zeugnisse der Vergangenheit folgten reihenweise: ehemaliges Steigerhaus und Mauerreste der Zeche Richradt, Austritt der in 3-4 Meter Tiefe unterirdisch verlaufenden Hesper, Relikte einer Heizleitung von 1938, die mit der Abwärme von Poertingsiepen II eine Ringofenziegelei und Schacht III versorgte.

Nächster Halt Bahnhof Hesperbrück, heute ein Parkplatz an der Straße Pörtingsiepen, Ecke Hammer Straße. "Wir stehen an einem historischen Ort", hieß es. Seit 1870 stand in diesem Bereich ein Kalkwerk, das wegen der Konkurrenz durch die Wülfrather Kalkwerke 1916 aufgab. Von 1920 bis 1971 betrieb die Gewerkschaft Stolberg eine Ringofenziegelei. Einzig das Haus mit Wohnung und Büro des Ziegelmeisters steht noch. Der damalige Bezirksbürgermeister Hanslothar Kranz und Forstdirektor Jörg Wipf vom Regionalverband Ruhr hatten den Abriss verhindert und 2001 das Gebäude dem Ökumenischen Arbeitskreis für Behinderte, seit 2019 Freundeskreis Waldhaus, als Begegnungsstätte zugänglich gemacht. Meinhard gehört zum Kreis und taucht regelmäßig mit Gitarre auf. Weil sichtbare Dokumente vergangener Jahre selten sind, gab es den Wunsch nach einem Gruppenfoto am "Waldhaus". Das war noch nicht alles. Ab 1943 bis 1968 existierte auf dem Gelände eine Bergebrechanlage der Zeche. Was nicht als Kohle zu Tage kam, wurde hier zerkleinert und über ein 33 Meter tiefer gelegenes Band zu Schacht III transportiert. Dort wurde das Material zur Verfüllung wieder unter Tage gebracht. Diesen Weg wählte am 2. Juni 1961 auch Wasser einer Überflutung. Außergewöhnliche Regengüsse hatten Revionsschächte der in Rohren verlaufenden Hesper gesprengt und nur hier ihren Abfluss gesehen. Schacht III registrierte einen Wasserstand von 1,40 m in über 800 m Tiefe. Im August 2014 setzte ein umgefallener Baum erneut einen solchen Revisionsschacht frei. Ein Geocache hatte bei der Inspektion niemand erwartet. Erstaunen und Kopfschütteln wechselten über den bis heute unbekannten Anbringer, der sein Leben riskierte. Im genannten Zeitraum immer vorhanden war der Bahnhof, bis 1916 Umschlagplatz von der Schmalspur auf Normalspur. Neben den Schätzen aus der Erde des Hespertals beförderte die Hespertalbahn vor allem Bergleute zu und von ihren Schichten, ausnahmsweise aber auch Kühe für das 1969 erbaute Kutel, seit 2016 Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Am Beginn der Straße Hespertal tritt die Hesper unter Tage. Die Gruppe wählte ab Hammer Straße einen schmalen Weg auf der anderen Bachseite. Diese ca. 100 Meter direkt an der noch mäandernden Hesper lohnen und münden an einer zum Wohnhaus umgebauten ehemaligen Mühle. Insgesamt 11 Mühlen und einige Hammerwerke trieb die Hesper allein auf 5 Kilometern einst an. Einige Meter auf der Hauptstraße nach links und schon war der Rad-/Fußweg erreicht. Hier verlief bis 1916 die Schmalspurbahn, anfangs mit Einsatz von Pferden.

Pferde wurden auch noch gebraucht auf der Zeche Hermann, 1948 bis 31.5.1964. Im Haus Hespertal 50 wohnt noch heute der Sohn des Betriebsführers Friedrich Personn. Dort waren zeitweise Büro, Steigerstube, Lampenstube, Umkleide und Waschkaue. Ab hier bis zur Straße Im Tannenbusch/An der Bläufabrik standen zur Hangseite hin die Zechengebäude. Gute Hausbrandkohle wurde gefördert, mit einer Belegschaft von 192 in der Spitze, 137 davon unter Tage. Hohe Wasserzuläufe machten die Zeche unrentabel. Schon früh hatte man im Grenzbereich Velbert die Zeche Ludscheid für die Nachfolge vorbereitet, aber auch sie lief nur bis 1967.

Die erste Waschkaue der Zeche wurde in Teilen der ehemaligen Bläufabrik installiert. Von 1797 bis 1854 entstand in diesem Gebäude aus Kobalterzen, Alaun, Pottasche und Kieselerde sogenannte "Schmalte", ein blaues Glas, das in der Farbmühle zu blauem Pulver gemahlen und erfolgreich weltweit verkauft wurde, auch nach Delft. Die industrielle Herstellung des Indigoblau setzte dem Betrieb ein Ende.

Gleich nebenan existierte bis in die 1970er Jahre das Jägerhaus, ein beliebtes Ausflugsziel mit Tiergehege und einem der schönsten Biergärten. Zuvor waren hier Bäckerei und Gaststätte Unterbarnscheidt beheimatet. Für eine Zeit folgte noch die Lederwarenfirma Herbrand, heute steht das Gebäude leer und verfällt leider.

Das Meiste der Strecke war geschafft, aber es standen noch Herausforderungen an. Von der Straße Im Tannenbusch ging es 100 m vor der Serpentine rechts über einen kleinen Bach, einem Weg folgend, den der Besitzer des Iländerhofes neu anlegte. Jetzt stieß auch Marwin mit Sohn Pepe an seine Grenzen. Opa Uli und Erik zeigten Familiensinn und trugen Pepe wie in einer Sänfte. Am Kamillusweg gab's noch das Fläschchen.
 

Foto privat

Der Rest des rund 9 Kilometer langen Weges zum Club war Formsache. Dort wartete Gastronom Pietro Arcoria mit seinem Team. Uroma Edith, Oma Brigitte, Silvia und Harry, Dagmar und Florian, Margrit, Axel, Klaus, Otto und Werner kamen zum Essen dazu. Noch mehrere Stunden saß man gemütlich beieinander. Wer wollte, konnte die Fotomappe mit allen Highlights der Wanderung anschauen, ein Mitnahmeblatt gab es zudem für Alle.

Meinhard Brummack


Veröffentlicht
10:49:05 11.10.2021