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18 Jahre "Wandern im Herbst"

Seit 2003 heißt es im Tennisclub Am Volkswald nach Ende der Medenspielsaison "Wandern im Herbst mit Meinhard Brummack". Die 18. Veranstaltung fiel in die Coronazeit und war daher mit 22 Personen noch recht gut besucht. Einige hatten nur Zeit zum Wandern, dafür kamen andere erst zum Essen. Zur Einhaltung der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW entfielen dieses Jahr Boxenstopp und gemeinsames Singen. Aktuell hätte gar die ganze Wanderung abgesagt werden müssen.

"Historischer Pfad Werden-Land", diesen Rundweg hatte die im Jahr 2018 verstorbene Hannelore Kahmann mit dem Werdener Bürger- und Heimatverein 2017 realisiert. Davon ließ sich Meinhard inspirieren, ergänzte die Tour um weitere Anlaufpunkte und teilte sie in zwei Etappen.
 

Teil eins stand am 10. Oktober 2020 auf dem Programm. Um 11.30 Uhr starteten Petra und Heinz, Anja und Wolfgang, Petra und Carl-Heinz, Gudrun, zweimal Karin, Lourdes, Maria, Ria, Sabine, Ludger mit Kamera, Manfred, Ulrich und Meinhard am Clubhaus. Kühle, aber trockene Witterung begleitete die Wandernden. Durch den Volkswald ging es zum ehemaligen Rathaus Heidhausen, das nur den Bürgermeister Aloys Schaphaus erlebte, weiter am Heiligenhäuschen Jacobsallee von 1721 vorbei zum Denkmal für den Maler Theodor Mintrop, der viele Jahre auf dem früheren abteilichen Oberhof Gut Barkhoven lebte. Meinhard erklärte an allen Punkten die historischen Zusammenhänge, wie auch kurz darauf vor der evangelischen Tagungs-/Begegnungsstätte "Haus am Turm", die 1974 den Namen vom Vorgängerbau entlehnte. Das Gasthaus "Zum Aussichtsturm" mit dem 23 Meter hohen Kaiser-Friedrich-Turm von 1892 hatte einst Platz für 2000 Gäste. Nicht weit entfernt stand von 1817 bis Ende des 2. Weltkriegs das "Restaurant Pastoratsberg" auf dem Gelände der karolingischen Ringwallanlage "Herrenburg". Ab 1579 bis 1803 hatte hier auf dem früheren Widuberg das Pastorat der 1817 abgerissenen Clemenskirche seine Heimat. Seit Januar 1958 krönt die Jugendherberge dieses Filetgrundstück.
 

Rund um die Herberge existieren noch heute zahlreiche Wanderpfade, angelegt ab 1881 vom Werdener Verschönerungsverein. Auf einem solchen gelangte die Gruppe abwärts. Kurz vor der Straße "An der Stadtmauer" erinnert ein verfallenes Kleingebäude an bessere Zeiten. Schon in den 1930er-Jahren gab es am Hang die Raststätte/Trinkhalle Ruhrblick mit zwei Trockenklosetts. Als dies bemängelt und Wasserspülung angemahnt wurde, überlebte dieser herrliche Aussichtspunkt nur noch bis 1976.

Eine der letzten Wespen dieses Sommers hatte sich in den Hals von Carl-Heinz verliebt, so dass für den Allergiker die Tour hier zu Ende war. Ehefrau Petra und die ortskundige Anja suchten und fanden Hilfe in einer Werdener Apotheke. Die Wanderfans erreichten inzwischen über die Rittergasse und Platz des ehemaligen Kastells die Ruhrbrücke. Die Königsbrücke aus dem Jahr 1853 hatte Nachfolger 1932 und 1968 (Gustav-Heinemann-Brücke). Abseits des Verkehrs wurden im Werdener Ortskern neben weiteren Highlights u.a. das Romanische Haus mit dem hier unterirdisch verlaufenden Mühlenbach und der Pelikan-Brunnen von 1910 gestreift. Anja stieß wieder zur Truppe. Gerade rechtzeitig, denn Meinhard verteilte die in der nahen Bäckerei georderten Leckereien.
 

In der Dudenstraße verblüffte die Tatsache, dass die Türme der evangelischen Kirche von 1900 und der katholischen Basilika Minor von exakt gleicher Höhe seien. Am Friedhof Dückerstraße, heute Park, grüßten die Reichsgründer von 1871, die einst Zierde der Königsbrücke waren. Schnell war das Rondell mit dem Albermann-Denkmal für Kaiser Friedrich erreicht. Der 99-Tage-Kaiser war sehr beliebt in Werden, das er als Kronprinz besucht hatte. Der weitere Weg führte durch ein Siedlungsgebiet bis zum Tuchmachersteig. Aus den früheren Gärten wurde Bauland der katholischen Kirche. Wer bei den Flurprozessionen besonders positiv auffiel, erhielt hier den Zuschlag, so der Volksmund. "Gelobt-sei-Jesus-Christus-Siedlung" ist daher die liebevolle Bezeichnung.

Die Firma Forstmann & Huffmann, später Werdener Feintuchwerke, hat nach der Säkularisation bis in die 1960er Jahre bemerkenswerte Spuren in Werden hinterlassen. Die Familien haben sehr viel für ihre Belegschaft und die Gemeinde bewirkt. So sind z.B. 1953 allein 250 Wohnungen für 900 Beschäftigte verzeichnet. Ein Teil davon ist am Tuchmachersteig noch heute zu sehen. Eine Sensation waren und sind die Schwedenhäuser in Fertigbauweise aus den 1920er Jahren, wegen des Wohnens in Holzhütten scherzhaft "Negerdorf" genannt.

Nächste Station der Wandergruppe war auch eine der Flurprozessionen, das Heiligenhäuschen am Viehauser Berg. Die lateinische Inschrift in der Übersetzung: "Zu Ehren des Heiligen Ludgerus, des ersten Bischofs von Münster, hat dieses Häuschen erbauen lassen der ehrwürdige Pater Stephan Horster, Mönch zu Werden, im Jahre 1721". Über Lürsweg, Rebenranke, Wintgenstraße, Velberter Straße, Kathagen, Zahnrad und Brosweg wurde der letzte Programmpunkt angesteuert, die ehemalige Ziegelei Frielingsdorf von 1864, nahe der Quelle des Mühlenbachs. Die heutige Bebauung wird wohl in Kürze einer neuen weichen. Nach drei Stunden und neun Kilometern war der historische Rundkurs geschafft.
 

Im Club hatte Gastronom Pietro Arcoria mit seinem Team alles für die durstigen Kehlen und hungrigen Mäuler vorbereitet. Elisabeth, Edith, Brigitte, Silvia und Harry kamen zum Essen dazu. Aus einer Extrakarte wählten alle zwischen Pizza, Pasta, Fleisch, Fisch und Salat. So saß man noch mehrere Stunden gemütlich beieinander. Vereinspräsident Heinz dankte Wanderführer Meinhard mit einer Flasche Premiumwein. Dieser ließ eine vorbereitete Mappe mit historischen Fotos zu allen 23 Punkten dieser Tour herumgehen. Zudem gab es ein Mitnahmeblatt voller Informationen und mit der Wegebeschreibung. Abends kam noch von Petra die erfreuliche Nachricht, dass Carl-Heinz den Wespenstich gut überstanden habe. Beide wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein, wie auch alle Anderen. Dann wird es den zweiten Teil dieser historischen Wanderung geben.
 
Meinhard Brummack

Fotos: Ludger Schmücker


Veröffentlicht
11:46:03 18.10.2020