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15 Jahre "Wandern im Herbst"

Bilder von Helena Kropacova als Extra-Bildergalerie.

Seit 2003 legen Mitglieder des "Tennisclub Am Volkswald" für einen Tag im Herbst Ball und Schläger aus der Hand und schnüren stattdessen die Wanderschuhe. In Abstimmung mit den Clubverantwortlichen und der Gastronomie setzte Meinhard Brummack damals seine Idee um und übernahm auch gleich die Rolle des Wanderführers. Bisher beteiligten sich fast 500 Personen an der herbstlichen Veranstaltung, dessen Gesamtpaket aus Wandern, Essen/Trinken und Singen besteht.

In drei Stunden lernen die Mitwandernden ihre Heimat näher kennen und erfahren Interessantes aus der Vergangenheit. In den 14 Jahren gab es auf immer wieder neuen Wegvarianten sehenswerte Anlaufpunkte im Essener Süden, aber auch Velbert und Heiligenhaus wurden tangiert. Beginn und Ende der Tour ist stets das Clubhaus des TC Am Volkswald. Nach der Hälfte der rund 10 Kilometer langen Strecken gibt es einen Boxenstopp, seit einigen Jahren fest in der Hand von Petra Thiemann und Klaus Bloemer. Sie sorgen an exponierten Orten für einen kleinen, aber feinen Imbiss. Das besondere "Herbst-Essen" kommt anschließend aus der italienisch geprägten Küche der Clubgastronomie. Pietro Arcoria und sein Team sind dann im Rennen und verwöhnen ihre Wandergäste mit leckeren Speisen aus einer eigens für den Tag kreierten Karte.

Zum Abschluss stehen zumeist noch Volkslieder auf dem Programm. Als von "Kneipensingen" oder "Rudelsingen" noch nicht die Rede war, ertönten die Lieder bereits am Volkswald. Aus Textbüchern wählt die Wanderschar ihren Wunsch, Meinhard begleitet auf der Gitarre, Peter Ellies mit dem Waschbrett.

Es gibt kaum noch weiße Flecken auf der Wanderkarte. Daher hat sich Meinhard zum kleinen Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen. Die 15. Wanderung trug die Überschrift "Schulausflug". Es ging zu den aktuellen und ehemaligen Schulen der früheren Bürgermeisterei Werden-Land. Ruhrtalschule, Fischlaker Schule und Schule an der Jacobsallee sind ein Begriff. Aber wer kennt noch die Albert-Sonnenschein-Schule, Hans-Breukers-Schule, Coelestinschule, Adolf-Clarenbach-Schule, Viktoriaschule oder Friedrich-Schule?
 

In drei Stunden sind nicht alle Punkte erreichbar. So gab es Samstag, 14. Oktober 2017, den "Schulausflug Teil 1". Um 11.00 Uhr empfing Meinhard die Angemeldeten im Clubhaus. Nach kurzer Begrüßung und Eintrag der Essenswünsche ging es bei spätsommerlichen Temperaturen durch den Volkswald zum Schwarzen. Hier warteten in der kleinen Grünanlage Pferd, Kuh, Ziege und Schwein, die Wappentiere der ehemaligen Honnschaften Holsterhausen (Patz oder Päd für Pferd), Heidhausen (Kuh), Hamm (Hippen für Ziegen) und Fischlaken (Ferkes für Ferkel/Schwein). Erst zwei Tage zuvor waren die von Roger Löcherbach mit der Kettensäge aus heimischem Holz geschaffenen Tier-Skulpturen aufgestellt worden. Zum Vorbild hatte er sich den 1952 von dem Geophysiker Ludger Mintrop gestifteten Heimatorden genommen.
 

Die Wandergruppe folgte dem Blick des Ferkels Richtung Fischlaken. An der Fischlaker Straße ging es links in den Kimmeskampweg, bei Haus-Nr. 21 über einen Verbindungsweg zum Kaarmannweg, benannt nach Peter Kaarmann, dem ersten Lehrer der 1782 erbauten Schule am Stüfken (heute Ruhrtalschule). 
 

Knappenstiege, Stüfken, Wintgenstraße, schnell war die Fischlaker Schule erreicht. Erbaut wurde sie 1910 als evangelische Königin-Luisen-Schule. Nach der Zerstörung 1945 durch Bomben entstand an gleicher Stelle die evangelische Peter-Ulner-Schule. Seit 1969 ist sie eine Gemeinschaftsgrundschule. Monika Spielkamp leitet die Schule, eine der Lehrerinnen ist Iris Ellies.
 

Am Hohen Kreuz und Am Schmalscheid waren kurze Etappen zur Ruhrtalschule, Abt Bernhard genehmigte 1782 den Bau der Schule am Stüfken (auch Stüfgen), die 1913 den Namen des Gründers erhielt. Etwas schmunzelnd bemerkte Meinhard, dass die Fischlaker doch ein interessantes Völkchen seien. Die Fischlaker Schule liege an der Bernhardstraße und die Bernhardschule an der Fischlaker Straße. Seit 1969 trägt sie den Namen Ruhrtalschule und ist seit 2013 ein Abzweig der Frohnhauser Theodor-Fliedner-Schule, mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. Leiter beider Schulen ist Ludger Dornebeck, seit 30 Jahren in Fischlaken tätig. Ihn hatte Meinhard einen Tag zuvor zufällig an der kürzlich aufgestellten Gedenktafel für die Fischlaker Schulen getroffen und dabei erfahren, dass Peter Kaarmann (auch Kahmann) Knecht auf dem Hof seiner Vorfahren war, als er zum ersten Lehrer bestimmt wurde. Lesen, Schreiben und Rechnen hatte er sich zuvor selbst beigebracht. Durch Adoption kamen die Familien später zusammen. Ludger Dornebeck hat daher den Vermerk "genannt Kahmann" in seinem Personalausweis.
 

Von der Fischlaker Straße zog die Wandergruppe weiter zum Kückelmanns Busch und bei Verlassen des unteren Waldstückes über einen Pferdeweg rechts zum Scheppener Weg. Links nach unten war schnell nach Überqueren der Straße Pörtingsiepen die Trasse der ehemaligen Hespertalbahn in Sicht. Hier ging es rechts über den Hesperbach bis zur ehemaligen Weiche, dort links. Schon nach wenigen Metern führt ein Pfad rechts in den Wald, einem Pferdeweg nach oben folgend. Auf der Höhe führt ein kurzer Wiesenpfad zu einer gepflasterten Straße, einem Nebenweg der Margrefstraße.
 

An der Einmündung, Abzweig zum Haus Margrefstr. 61, waren gerade Klaus Bloemer und Elisabeth Brummack, die diesmal Petra Thiemann vertrat, eingetroffen. Unter schattigen Bäumen diente für den Boxenstopp ein Baumstumpf als Tisch, reichlich gedeckt mit Fleischwurst, italienischer Salami von Uli, Käse, Brot, Kuchen von Karin, Obst, Obstler und Wasser. So üppig waren früher weder Schulbrot noch Pause.
 

30 Minuten später setzte sich die Truppe wieder in Bewegung. Von der Margrefstraße folgte man dem Abzweig zum Haus Nr. 51, von dort auf Feld- und Wiesenwegen, zuletzt durch Pferdekoppeln zum Overhammshof des Bauern Georg Grotkamp. Der hatte im Vorfeld den Durchgang erlaubt. Auf dem viel zu schmalen Bürgersteig der Hammer Straße, der hier ja auch den Gästen der Erstaufnahmeeinrichtung ein sicherer Weg sein sollte, schlängelte sich der Lindwurm talwärts.

Kurz vor der Ludscheidtstraße steht links ein alter Backsteinbau. Hier residiert seit einigen Jahren der "Hobbybrauer" Hans Langenkamp, zurückgekehrt zu den Wurzeln seiner Kindheit. Er war einer der letzten Schüler der Albert-Sonnenschein-Schule, die als katholische Volksschule 1898 für die Hammer Bürger erbaut wurde. Sein damaliger Schulleiter war Herr Harbaum. Die Schule schloss in den späten 1960er Jahren, war danach bis Mitte der 1990er Jahre Behindertenwerkstatt Christophorus, dann Lager des Museums Folkwang. Das Gebäude steht im Besitz der Stadt Essen, Mieter Hans Langenkamp bietet interessante Braukurse an. Eine Bierprobe für die Wandernden wäre möglich gewesen, hätte er seine Künste an diesem Tag nicht auf Zeche Zollverein präsentiert. Immerhin hatte er den "Schulhof" zur Besichtigung offen gehalten.
 

Neben der Schule stand von 1937/1941 bis 1968 Schacht III der Zeche Poertingsiepen. Eine versiegelte Betonplatte über dem ehemaligen Schacht und Ziegelsteinpfeiler einer Heizleitung im Wald hoch über der Hammer Straße sind einzige Relikte. Der jetzt breitere Bürgersteig führt ins Hespertal. Auf dem Radweg Richtung Velbert verkehrte von 1857 bis Mitte des ersten Weltkrieges die Pferde- und Schmalspurbahn.

Am Haus Hespertal 26 versammelte Meinhard nochmals die Gruppe. Der als Wohnhaus genutzte Prachtbau stammt aus dem Jahre 1900 und war bis in die 1960er Jahre evangelische Gemeindeschule im Hammer Bezirk. Bis auf den Namen Hans-Breukers-Schule sind kaum Informationen vorhanden.

An die ehemalige Schule grenzt das Gelände des Gartenbaubetriebes Maria Wortberg. Ein Weg führt hindurch und auf schmalem Wald- und Feldweg ist nach Überqueren des Iländer Weges bald der Volkswald vor Augen. Im Gänsemarsch am Waldrand entlang legte die Wandertruppe die letzten Streckenmeter zurück. Nach zwei Hakenschlägen, bei denen Meinhard erfreulicherweise die Vollständigkeit feststellen konnte, waren der ehemalige Fußballplatz und gleich darauf der Tennisclub Am Volkswald erreicht.

3 Stunden Wandern und 30 Minuten Boxenstopp lagen hinter Hildegard und Fred, Margrit und Fotograf Ludger, Silvia und Mike, Gabriele und Wolfgang, Gisela und Heiner, Claudia, Elisabeth, Juliane, Jutta, Helena, Helga, 2 x Karin, Lourdes, Margarete, Harry, Marwin, Peter, Uli und Wanderführer Meinhard, besondere Leistung für Maria, 7jährige Gastronomentochter und einzige Schülerin beim Schulausflug.
 

Jetzt ging es an die Kochtöpfe. Fünf wanderten nur, dafür stießen eine weitere Elisabeth und Silvia, Brigitte, Ernst-Hermann, Klaus, Otto und Walter zum Essen dazu. Bis zum Einbruch der Dunkelheit hielten die Letzten aus. Auch Lehrerin Iris schaute noch vorbei. Sie erhöhte die Zahl der am Gesamtpaket Beteiligten auf 34. In froher Runde gab es viel zu erzählen, über die Schulzeit, Gott und die Welt.
 

Im Herbst 2018 folgt "Schulausflug Teil 2", versprach Meinhard.


Meinhard Brummack, Fotos: Ludger Schmücker


Veröffentlicht
11:02:30 31.10.2017